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    Ossian  
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  Quelle: Crossroots, ISBN 3-935943-00-8 (Verlag C.Ludwig, 2002)  
    Autor: Richard Schuberth  
 

Das 1976 in Glasgow gegründete Folk-Revival-Ensemble Ossian stellt einen stilistischen Kompromiss dar zwischen dem konzertanten Kammermusik-Folk à la Chieftains (bzw. Whistlebinkies in Schottland) u. dem zeitgenössischerem bouzoukigetriebenem Folk à la Planxty. Von all den in den 70er Jahren entstandenen Supergruppen Schottlands (Battlefield Band, Tannahill Weavers etc.) waren sie sicher die lyrischste u. melodiöseste, zugleich jene, die dem gälisch-keltischen Element innerhalb der heterogenen Tradition Schottlands das meiste Augenmerk schenkte u. erstmals zugleich Harfe u. Dudelsack in den Bandsound integrierte. Daneben widmeten sich Ossian auch anderen Traditionen (wie der Musik der Shetland-Isles, angloschottischen Balladen etc.) u. komponierten zu alten Songs oft neue Melodien. Hervor gingen Ossian aus der Formation Contraband, die 1970/71 von den Teenagern John Martin (f, viola, cello, t-wh, voc) u. den Brüdern George (g, fl, t-wh, cittern) u. William (Billy) Jackson (harp, uilleann pipes, chamber pipes, t-wh, voc) gegründet worden war. Legte es die Contraband noch der Mode der Zeit entsprechend auf Folk-Rock an (wie auf ihrem gleichnamigen Album aus dem Jahr 1974 zu hören ist), so zeichnete sich bald eine stilistische Veränderung ab, aus der Ossian erwachsen sollte. 1976 komponierten sie für eine Theatergruppe auf Jura die Musik zu dem Stück Clanna Cheo (über das Leben von Rob Roy MacGregor) u. im selben Jahr erschien auf Spryngthyme Records der Plattenerstling Ossian. George Jackson hatte sich ein geraumes Wissen in keltischer Mythologie, Geschichte u. Liedgut angeeignet, u. sein Bruder Billy, der bei der Contraband Bass u. E-Bass gespielt hatte, war auf die irischen Uilleann Pipes u. die Harfe umgestiegen, - sein Harfenspiel ist ein rhythmisch besonders akzentuiertes. So tendierte die Band, der schottisch-keltischen Tradition nach irischen Vorbildern einen neuen Gruppensound zu verschaffen. Vervollkommnet wurde dieses Konzept durch Billy Ross (voc, g, dulcimer, t-wh), der einer lebendigen keltischen Tradition am vertrautesten war. Seine Eltern stammten von der Insel Skye, er selbst hatte schottische Geschichte studiert u. auf Skye musikalische Feldforschungen betrieben. 1980 verließ Ross die Band wieder u. wurde durch Ex-Alba- u. Jock Tamson’s Bairns-Mitglied Tony Cuffe (g, t-wh, tiple, voc) ersetzt, der einen sehr rhythmischen u. perkussiven Gitarrenstil in die Band brachte. Ganz gleich ob Ross, Jackson oder Cuffe die Lead Vocals übernahmen, alle drei legten einen besonders sanften, lyrischen Liedvortrag an den Tag, der die Kernigkeit der schottischen Sprache u. Lieder wohltuend dämpfte u. der Band zum Markenzeichen wurde. 1981 beschlossen Ossian, deren Tunes bislang von B. Jacksons Uilleann Pipes untermalt wurden, einen richtigen Highland-Piper anzuheuern: Iain MacDonald, zugleich der wohl beste Flötist Schottlands. Ossian produzierten sechs kulturell sehr ambitionierte Platten, die heute allesamt Klassiker des schottischen Folk darstellen, Meisterwerke an musikalischer Subtilität u. Arrangierkunst, bei denen zunehmend Billy Jacksons suitenhafte Kompositionen auffielen. 1987 löste sich die Band auf, ihre Mitglieder blieben weiter treibende Kräfte der schottischen Folk-Szene. 1997 kam es zu einer Neuauflage in der Besetzung Billy Jackson, Billy Ross u. den Ex-Tannahill Weavers Iain MacInnes (scottish small pipes, fl) u. Stuart Morrison (f, cittern, mandolin, voc), der im zeitlos schönen Ossian-Stil die CD The Carrying Stream erwuchs. Die einzige LP der Contraband wurde 1998 von Lapwing Records als CD neu aufgelegt.