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    Hölzerne Querflöte  
  Artikel zu Instrument  
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  Quelle: Crossroots, ISBN 3-935943-00-8 (Verlag C.Ludwig, 2002)  
    Autor: Richard Schuberth  
 

Irland ist eines der wenigen Länder, in der die Querflöte (flute, wooden flute, timber flute) ein fixer Bestandteil der traditionellen Musik darstellt. Als Ergänzung zu Dudelsack u. Fiddle verhalf sie der irischen Musik zu einer Erweiterung ihres klangfarblichen u. melodiösen Potenzials, entlockte den charakteristischen Tanzmelodien weichere u. zumal melancholischere Qualitäten. Dabei existieren mittlerweile alle möglichen Entwicklungsstufen von klappenlosen, über einklappige bis zu vollklappigen Instrumenten, welche zumeist aus Rosenholz oder afrikanischem Ebenholz hergestellt sind. Bei allen Vorteilen, welche das Klappensystem auch bietet, gewährleisten erst klappenlose Löcher bei der Flöte das expressive Sliden (glissando), welches durch langsames Ziehen des Fingers vom Loch erzielt wird, ein Spezifikum der irischen Musik u. ihres Sounds. Die Entwicklung der Querflöte in Europa ist in den letzten dreihundert Jahren durch zwei „revolutionäre“ technische Weiterentwicklungen gekennzeichnet. Ende des 17. Jahrhundert hatte die französische Instrumentenbauerdynastie Hotteterre eine konisch gebohrte Traversflöte entwickelt, welche aus drei Stücken zusammensetzbar war, den untersten Ton der Skala mit einer Klappe versah u. somit das Spiel eines Halbtons ermöglichte. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich dieser Typ zu einem vollchromatischen Instrument mit acht Klappen entwickelt. Der Deutsche Theobald Boehm brachte 1847 schließlich jene zylindrisch gebohrte Querflöte, welche bis heute - auch in ihrer metallenen Ausführung - als Konzertflöte bekannt ist. Traditionelle irische Musik wird jedoch auf Flötentypen der Vor-Boehm-Periode gespielt, achtklappigen, oder aber in Folge der Popularität des Flötenspiels seit dem Folk-Revival auch auf Rekonstruktionen älterer Typen mit weniger oder gar keinen Klappen. Das Flötenspiel war im Irland des 18. Jahrhunderts eine Domäne des Adels u. des sich entwickelnden gehobenen Bürgertums, ehe die Querflöte im 19. Jahrhundert auch zum Instrument unterer gesellschaftlicher Schichten wurde u. in der Tanzmusik Verwendung fand. Von einer weit verbreiteten Verwendung für traditionelle Musik kann jedoch erst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts die Rede sein. Überhaupt blieb ihr Spiel - außer in einigen experimentierfreudigen Regionen - eher Domäne von Spezialisten u. Liebhabern, führte in der traditionellen Musik ein Außenseiterdasein. Das änderte sich erst mit dem großen Einfluss der Plattenaufnahmen des nach Amerika emigrierten Joe McKenna (1880-1947) aus Co. Leitrim. Die nordwestirischen Countys Leitrim, Sligo, Roscommon u. Fermanagh (das bereits im heutigen Nordirland liegt) stellen neben Clare, Limerick u. East Galway das Zentrum des Flötenspiels dar. Obgleich McKenna von älteren Flötenspielern lernte, waren es erst seine nach Irland importierten Platten, die in Leitrim den Siegeszug der Flöte stimulierten u. das Selbstbewusstsein eines distinken Leitrim-Stils hervorriefen. Dieser war gekennzeichnet durch ein flüssiges Legatospiel mit kurzer Phrasierung u. Akzentuierung durch die Zungenspitze. Traditionelle Flötentechniken lehnten sich stets stark an Dudelsacktechniken an, u. auch heute noch sind Uilleann Piper oft auch formidable Flöten- u. Tin-Whistle-Spieler. Und wie bei den Uilleann Pipes existierte auch für die Flöte ein Open- u. ein Closed-Style, also ein melodiöseres flüssiges Legatospiel u. eine stärkere rhythmische Akzentuierung durch vermehrte Zungentechnik, welche einen Staccato-Effekt erzeugt. Unter Einfluss der bedeutenden Sligo-Fiddler der 20er u. 30er Jahre (Michael Coleman, James Morrison etc.) wurde die ältere Spielweise (repräsentiert durch Joe McKennas Leitrim-Style) durch elaboriertere Formen überlagert, welche manchmal auch als Sligo-Stil des Flötenspiels bezeichnet werden: ein hochornamentiertes Flötenspiel mit langer Phrasierung, klarem Ton, unter Verwendung vieler Rolls (siehe auch Charakteristische Ornamente der traditionellen Instrumentalmusik) u. allerhand melodischer Subtilitäten. Herausragende Spieler der Vor-Revival-Periode waren u. sind Packie Duignan u. Mick Woods aus Co. Leitrim, Josie McDermott (1925-1992), Peter Horan, Seamus Tansey u. Roger Sherlock aus Co. Sligo, Eddie Duffy aus Co. Fermanagh, Paddy Taylor (1914-1976) aus Co. Limerick, u. Paddy Carty (1929-1985) aus Co.Galway. Im Gruppensound des Irish Folk-Revivals profilierten sich sich seit den 60er Jahren viele aus der Tradition kommende Flötisten wie Cathal McConnell (Boys of the Lough) aus Co. Fermanagh, Michael Tubridy (Chieftains) aus Co. Clare oder Frankie Gavin ( Dannan) aus Galway. Doch niemand reichte an den Genius heran, mit dem der Bothy-Band- u. spätere Chieftains-Flötist Matt Molloy aus Co. Roscommon die Möglichkeiten dieses Instruments ausschöpfte u. erweiterte, mit einer musikalischen Individualität, die weit über ein bloß traditionelles Spiel hinausweist. Viele junge Flötisten haben diese Herausforderung angenommen u. produzieren annähernd dynamische u. flüssige Flötenmusik: z. B. Paul McGrattan (Beginish), Conal Ó Grada, Hemmy Hamilton, Kevin Crawford (Moving Cloud, Lúnasa), Desi Wilkinson (Cran), Catherine McEvoy, Laurence Nugent, Emer Mayock (Afro Celt Sound System), Marcas Ó Murchú, Brian Duke (Cían), Tom Doorley (Danú), John Wynne (Providence), Brian Finnegan (Flook), Thomas McElvogue oder etwa Grey Larsen aus den USA. Die Anreicherung der Molloy-Standards durch modernere Arrangements u. Jazz-Synkopen wird sehr virtuos von jungen Flötisten wie Michael McGoldrick (Lúnasa) aus Manchester u. Seamus Egan (Solás) aus New York, vor allem aber dem Jazz/Trad-Flötisten Niall Keegan vorangetrieben. McGoldrick war zudem Mitglied der irisch-englischen Band Flook, die auf zeitgenössischen Arrangements den weichen, wilden Sound von drei Flöten dahinfließen lässt. Über das Irish-Folk-Revival der 70er Jahre wurde die hölzerne Querflöte auch Bestandteil des modernen schottischen Instrumentalfolk. Einer der virtuosesten Spieler ist Dudelsackpfeifer Iain MacDonald (Ossian, Battlefield Band). Weitere bekannte schottische InterpretInnen sind Claire Mann (Tabache), Eddie McGuire (Whistlebinkies) und Rebecca Knorr (Calluna). Als einer der besten in sämtlichen „keltischen“ Folk-Szenen bedingungslos anerkannten Flötisten gilt Jean-Michel Veillon (Kornog, Pennoù Skoulm etc.) aus de Bretagne. Irische Flötisten wie Mike McGoldrick geben ihn sogar als wichtigstes Vorbild an. Obwohl die dunkle Holzflöte einen weicheren u. zugleich erdigeren Ton besitzt als die metallene Orchesterquerflöte mit ihrem „rohrigen“ Sound, ist auch Letztere in Folk, traditioneller Musik u. allen ihren Hybriden in Verwendung. Paul Brennan von Clannad oder Joannie Madden von der New Yorker Frauenband Cherish the Ladies wären hier zu nennen. Erstmalig Jazzlinien u. unbändiges Staccatospiel hat der große Ian Anderson von Jethro Tull in den Rock u. Folk-Rock eingeführt. Anderson beeinflusste unter anderen auch Jim Lockhart von der irischen Celtic-Folk-Rock-Band Horslips.