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Als eines der entwickeltsten Borduninstrumente (Instrumente, die durch durch das konstante Mittönen eines Basstones gekennzeichnet sind) stellt die Drehleier eine Art Kombination eines Streichinstrumentes mit einem Tasteninstrument dar. Sie besteht aus einem entweder lauten- oder gitarrenförmigen Holzkorpus, der mit mindestens drei Saiten bespannt ist. Mit der rechten Hand wird durch eine Kurbel ein Holzrad in Bewegung gesetzt, das die Saiten in Schwingung versetzt, mit der linken Hand werden diese auf einer Klaviatur verkürzt. Die Besaitung besteht aus mindestens einer Melodiesaite (chanterelle), einer zumeist eine Quinte tiefer gestimmten Bordunsaite u. der Schnarrsaite (trompette), mit der rhythmische Akzentuierungen erzielt werden. Erste Zeugnisse von diesem Instrument stammen von der Wende 10./11. Jahrhundert. Die Drehleier dürfte zu dieser Zeit zunächst ausschließlich für die Kirchenmusik verwendet worden sein, ehe sie auch als Instrument von Minnesängern u. „bürgerlichen“ Spielleuten zu weltlichen Ehren kam. Durch die Erfindung der Polyphonie sank die Drehleier gegen Ende des Mittelalters in die untersten Klassen ab, wurde vor allem zum Instrument der Bettler, Vagabunden, der Schauspieler, - der Halbwelt etc. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts erfuhr sie durch die aristokratische Schäferromantik eine soziale Aufwertung. Berühmte Barockkomponisten wie Antonio Vivaldi komponierten pastorale Sonaten für die Drehleier (Il Pastor Fido); Joseph Haydn schrieb im Auftrag des Königs von Neapel mehrere Concerti u. Notturni für eine weiterentwickelte Drehleier, die Orgelleier. Im 19. Jahrhundert erhielt sie sich je nachdem als Instrument der sozial Deklassierten oder aber als fester Bestandteil vieler selbstbewusster Volkskulturen. Am beharrlichsten u. fruchtbarsten in Ostungarn (tekerölant) u. Frankreich (vieille à roue), genauer: den Provinzen Auvergne, Berry u. Limousin sowie der östlichen Bretagne. Aufgrund massenhafter Landflucht gelangte das Instrument gegen Mitte des 19. Jahrhunderts auch nach Paris, wo es gemeinsam mit dem Dudelsack (Cabrette) u. zunächst in Konkurrenz mit, später als Ergänzung zu dem modernen Akkordeon, die Pariser Folklore bestimmte, die später ihren Ausdruck in Musette- u. Java-Walzern fand. Frankreich ist auch das Zentrum einer starken innovationsfreudigen „Bordunszene“, die wichtige Impulse für ganz Europa gab. Bands wie La Chiffonie oder La Bamboche sowie Drehleierspieler wie Gilles Chabenat, Patrick Bouffard (siehe Scarp) u. allen voran der Experimentalist Valentin Clastrier machten das Instrument tauglich fürs 21. Jahrhundert. Auch in italienischen, deutschen u. skandinavischen Folkbands fand die Drehleier bereits in den 70er Jahren Verwendung. Gerade in England konnte sie schwer in der Volkstradition Fuß fassen u. erlangte spätestens im bürgerlichen 19. Jahrhundert das oft bespöttelte Image eines Hausierer- oder Outcastinstrumentes. Am wenigsten aber war sie in „keltischen“ Ländern verbreitet, auch wenn man gerne dem popularen Irrtum unterliegt, Fiedel- u. Dudelsackklang seien etwas genuin „Keltisches“. Im britischen Raum gedieh die Drehleier also zunächst nur als Kuriosum in Ensembles, die sich auf Alte Musik spezialisiert hatten. Francis Baines spielt sie auf Ashley Hutchings historischem Konzeptalbum The Compleat Dancing Master. Der viel in Europa herumgekommene Ire Andy Irvine setzte sie erstmals dezent zur Liedbegleitung in seiner Band Planxty ein. John Faulkner u. Brian McNeill (Battlefield Band) folgten seinem Beispiel. Anfang der 80er Jahre veränderte jedoch eine junge „Bordunszene“ (siehe Bordunmusik & Bordunszene) das Gepräge der englischen Musiklandschaft. Angeödet von den jovialen Morris-Tänzen der englischen Tradition orientierte sich diese Szene zumeist junger Instrumentenbauer u. Musikstudenten an Alter Musik u. einer lebendigen französischen Folk-Szene u. Tradition, deren Kern das alljährliche Festival in St. Chartier darstellt. Durch Anlehnung an New Wave u. Modern Jazz schuf die englische Band Blowzabella so etwas wie einen „Paradigmenwechsel“ im englischen Folk. Ihre Drehleierspieler Cliff Stapleton u. Nigel Eaton setzten das Instrument wieder in ihre Rechte. Besonders Nigel Eatons Album Music Of The Hurdy Gurdy deckt die Breite des möglichen Drehleierrepertoires ab: klassische Drehleiersonaten von Vivaldi u. Baton, ein bulgarisches Stück, düstere undergroundige Eigenkompositionen, selbst gestrickte und traditionelle Jigs, Hornpipes, Bourrées, Schottische u. Laridés. Ein weitere Wendemarke in der Bordunmusik ist das Album The Duellists, welches Cliff Stapleton, Nigel Eaton u. Dudelsackspieler Chris Walshaw zu einem Trio vereint. Weiters findet die Drehleier in vielen Bordunbands neueren Zuschnitts Platz: The Eel Grinders, Shave The Monkey, Stocai, Turning The Red, Scarp, Citizen Camembert, Waltzer etc. Ultimativen Eingang in den Clubbing-Sound der Jahrtausendwende findet die Drehleier in den Händen von Phillip G. Martin (Drone’n’Bass). |
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