Fast Search Musician

A search for musicican or band name is available here. Simply insert the name into the text field and click the search icon...



Mary Black's distinguished career has spanned over 25 years from her early days in Dublin folk clubs through ever-escalating success with seven platinum solo albums. Read [more]


Show Article

       
    Cape Breton (Kanada)  
  Regionen und regionale Stilarten  
This article was read 780 times
  Source: Crossroots, ISBN 3-935943-00-8 (Verlag C.Ludwig, 2002)  
    Author: Richard Schuberth  
 

„What I heard was old Scottish music played with a rhythm, tension and wildness that I had never before experienced, and what excited me most were the strathspeys.“

Hamish Moore

„What I heard were the basic ideas of our tunes sometimes clearer and better preserved than they were in Scotland. I was getting the notes still left in the cracks, the clues to an older style of ornamentation. It was how the tunes must have been played when they came over on the emigrant ships. I got a huge kick out of that. It’s funny, people call this the ‘New World’, yet here’s a part of Scotland still alive and well within it.“

Alasdair Fraser

Cape Breton ist eine der kanadischen Halbinsel und Provinz Nova Scotia vorgelagerte Insel mit vorwiegend schottischstämmiger Bevölkerung und zugleich ein musikalisches Epizentrum, deren Wellen seit beinahe 15 Jahren die traditionellen und neotraditionalen Musikszenen Schottlands und Irlands zum Erbeben bringen. Cape Breton ist zugleich ein ethnomusikalisches Museum, dass sich seiner Musealität entwunden und durch eine junge, lebendige Szene den Sprung in die schottische (und amerikanische) Folk-Avantgarde gewagt hat. Ende des 18. und 19. Jahrhunderts trieben die einsetzenden Highland Clearances, die Vertreibungen der Landpächter durch ihre Grundherren, an die 40.000 Vertreter einer im Hochland aussterbenden distinkt gälischen Kultur in die Emigration nach Nova Scotia, wovon allein 30.000 in Cape Breton siedelten. Von der bretonischen Kultur, die der schottischen auf dieser Insel vorausging, blieb infolge des Wechsels von französischer zu britischer Kolonialmacht wenig übrig. Diese „Acadiens“, wie sich die bretonischen Siedler nannten, wanderten größtenteils in die Sümpfe von Lousiana ab, um dort ein eigenes musikalisches Substrat, den Cajun, hervorzubringen. Neben der indianischen Urbevölkerung, den Micmacs (die große Fiddler im schottischen Stil stellten) fand sich auf Cape Breton auch eine kleine irische Kolonie ein, die nicht unwesentlich zum Drive der dortigen Fiddlemusik beitrug und für die Popularität des Single-Jigs verantwortlich sein dürfte. Zunächst dominierten die Highland Pipes, die sich aber stilistisch der kanadischen Pipe-Band-Tradition einfügten und der Fiddle als wichtigstes Instrument der Region Platz machten. In gewisser Hinsicht ähnelt diese Fiddlemusik jener des nordirischen Countys Donegal (ebenfalls stark schottisch beeinflusst und mittlerweile in engem kulurellen Austausch mit Cape Breton). Sie trägt noch starke Spuren jener Musik, die im 18. Jahrhundert im Hochland gespielt wurde: wenig verziert, aber umso wilder, schneller, unter Verwendung langer ruckartiger Geigenstriche (the driven bow), Cuts und Double Stops (siehe Charakteristiche Ornamente der traditionellen Instrumentalmusik). Neben Reels, Jigs u.Hornpipes, wird auch der König unter den schottischen Weisen, der Strathspey, gespielt, allerdings in einer älteren Form, als tanzbarer, rhythmisch noch akzentuierterer Reel, vergleichbar dem Highland aus Donegal. Weiters erhielt sich auf Cape Breton der charakteristische Step-Dance, der noch heute von jedem Geiger „mitgelernt“ wird und - wie in fast allen kanadischen Fiddletraditionen - als traditionelle Perkussion organisch mit dem Fiddlespiel verwachsen ist. Während Cape Breton in Tuchfüllung blieb mit der alten gälischen Highland-Kultur, dämpfte der sinnenfeindliche Presbyterianismus in Schottland die dionysische Wildheit der Musik und sanktionierte den Step-Dance. Weiters machte die Viktorianisierung der schottischen Kultur deren Musik komplexer, aber zugleich bürgerlicher, süßlicher; ein Grund, warum viele junge vom Drive des Rock’n’Roll beeinflusste Musiker des schottischen Folk-Revivals bei irischer Musik Zuflucht nahmen bzw. schottische Musik auf irische Weise spielten, noch nicht wissend, dass an der kanadischen Ostküste bedeutende Impulse ihrer Entdeckung harrten. Eine weitere Besonderheit traditioneller Musik Cape Bretons ist der distinkte Pianostil, der seine Inspiration aus der rhythmischen Variabilität des Step-Tanzes bezog und daher komplexer und synkopischer ist als die oft altmodisch wirkende Pianobegleitung in der irischen Musik. Wie jede lokale tradition, so hatte auch die Cape Bretons ihre lokalen Größen und Innovatoren wie Mary Hughie MacDonald, Donald Angus Beaton (1912-1982), Angus Chisholm (1908-1979), Bill Lamey (1914-1991) oder den legendären Winston „Scotty“ Fitzgerald (1914-1987), der durch seine Verehrung irischer Musik etwas mehr Swing in die stolze, abgehackte Tanzmusik der Insel brachte. Weiters zu nennen wären John Cameron, Carl MacKenzie, Dan R. MacDonald, Vinnie Chafe und Buddy MacMaster. Herausragender Pianospieler dieser Generation ist Doug MacPhee. Dass die traditionelle Musik Cape Bretons nicht eine Nischenexistenz für isolierte Individualisten fristete, dafür sorgte in den 70er Jahren Father John Angus Rankin, in dem er 200 Fiddler bei einem Festival versammelte, woraus sich schließlich das Monsterensemble Cape Breton Symphony entwickelte. Pate gestanden dürfte ihm für diese beherzte Revitalisierung der Geiger Tom Anderson (1910-1991) gestanden haben, der mit seinen Da Forty Fiddlers Vergleichbares für die vom Aussterben bedrohte Fiddletradition der Shetland-Inseln geleistet hatte. Noch größere Verfeinerung erreichte der distinkte Cape-Breton-Stil in den 80er Jahren durch den zugewanderten Revival-Fiddler Jerry Holland aus Baltimore und die Fiddlekomponistin Brenda Stubbert, welche starke Links zur Irish Community an der Nordküste aufweist. Sie repräsentieren eine modernere Generation mit erweitertem musikalischen Bewusstsein. Auch die jüngste Neo-Revival-Welle hat ihre Topstars, wie John Morris Rankin (The Rankin Family), die Fiddlerin u.Steptänzerin Natalie MacMaster (die Nichte Buddy MacMasters), die in der amerikanisch-keltischen Szene einen ähnlichen Ruhm genießt wie Sharon Shannon in Irland und von Eileen Ivers protegiert wurde, von deren Experimenten, aber auch von denen schottischer InterpretInnen wie Capercaillie oder Talitha MacKenzie sie sich in ihrem eigenen Schaffen inspirieren ließ. Und natürlich gibt es da noch den Multiinstrumentalisten J. P. Cormier und den Fiddler, Steptänzer und Pianisten Ashley MacIsaac, der unter Berücksichtigung der aktuellen Dancefloortrends eine völlig neue Art von Folk-Rock kreiert hat. Sowohl MacMaster als auch Ashley MacIsaac wurden vom Meistergitarristen Dave MacIsaac - einem kanadischen Gegenstück zu Arty McGlynn - und der herausragenden Pianistin Tracy Dares begleitet (weitere über die bloße Begleitfunktion hinausgehende Pianistinnen dieser Tradition sind Barbara MacDonald Magone und Hilda Chiasson Cormier) Tracy Dares Sohn Howie MacDonald gilt als der beste Tanzgeiger Cape Bretons und hat bereits eine CD mit Ashley MacIsaac eingespielt. Der gälischen Vokaltradition widmet sich Mary Jane Lamond, welche von unbegleitet traditionell bis Trip-Hop-Arrangements alle Stücke spielt, und die etwas kommerziellere Rankin Family, welche auch in Englisch singt und Country-Einflüsse erkennen lässt. Erwähnenswert sind noch die Fiddler und Fiddlerinnen Wendy MacIsaac, Jennifer Roland und Alan Greenberg, der ursprünglich ein international anerkannter Barockviolinist war, - die Barra MacNeils, die Folk-Rock-Band Rawlins Cross, die Band Slàinte Mhath oder das kommerziell erfolgreiche Familienensemble Leahy, welches zwar aus Ontario kommt, aber sehr viele schottische Tunes im Cape-Breton-Stil spielt. So wie die junge Szene Cape Bretons verstärkt frankokanadische, irische und andere Tunes rezipiert, gehören Cape-Breton-Nummern auch zum unerlässlichen Repertoire von Musikern benachbarter Regionen, wie etwa die Frankokanadier Oliver Shroër und Pierre Schryer oder Richard Woods aus Neufundland. Und wenige irische Bands heutzutage, die nicht mindestens ein Cape-Breton-Set in ihrem Repertoire führen. Die Rezeption kanado-schottischer Musik durch die britische Szene setzte in den 70er Jahren durch die sechsteilige Plattenserie des englischen Topic-Labels The Music Of Cape Breton ein. Wichtige schottische Frühentdecker dieses Stils waren Aly Bain und Alasdair Fraser. Auch der Dudelsackspieler Hamish Moore widmete sich der Musik Cape Bretons, die er für Highland- und Scottish Small Pipes wiederaufbereitet. Cape Breton hat sich von einer isolierten Region zu einem Zentrum des musikalischen Austausches (repräsentiert etwa durch das Celtic Colours International Festival in Halifax) gemausert und vibriert vor Dynamik und Innovation.