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Infolge des unerwarteten Revivals der schottischen Fiddlemusik Cape Bretons in Nova Scotia rückte Kanada wieder stärker ins Interesse der World Music. Dabei ist ein Großteil der ostkanadischen Volksmusik französischen Ursprungs, u. trotz des teilweise aggressiven Nationalismus u. Separatismus innerhalb der frankophonen Provinz Québec gibt sich deren traditionelle Musik als ein multikulturelles Geflecht gegenseitiger Beeinflussungen zu erkennen u. zeigt sich die moderne Folkszene als besonders befreundet mit u. interessiert an den benachbarten anglophonen Szenen Cape Bretons u. Neufundlands (die Prince-Edward-Inseln sind frankophon u. finden in der dynamischen Band Barachoís würdige kulturelle Botschafter). Dominante Instrumente sind Fiddle u. Akkordeon. Perkussion wird wie überall sonst in Ost-Kanada durch den allseits beliebten Steptanz repräsentiert. In der Geigen- u. Akkordeonmusik Québecs u. Ontarios vermischen sich französische u. einige skandinavische Einflüsse mit iroschottischen. Dies ist nicht allein dem Einfluss der benachbarten anglokeltisch besiedelten Maritimes geschuldet, sondern auch den diversen ethnischen Enklaven, wie etwa den Schotten von Glengarry County, den Finnen von Thunder Bay u. den Iren des Ottawa Valley. Traditionell musizierende Québecoises haben sowohl französischstämmige Branles, Valses (siehe Der Walzer), Bistringues u. Polkas als auch Reels, Jigs u. Hornpipes (Clogs) in ihrem Repertoire. Instrumental- u. Tanzstil ist stärker von irischen denn schottischen Elementen durchdrungen. Besonders augenfällig ist der irische Einfluss neben Reels u. Jigs im beliebten Set-Dance, den Quadrillen, welche sich in auch den Mutterländern Frankreich u. Irland größter Beliebtheit erfreuten, in Kanada zu Mitte des 19. Jahrhunderts popularisiert wurden u. heute eine einzigartige Renaissance erleben. Beliebte Setkombinationen wie der Lancier oder der Calédonia finden in den irischen Sets Lancer u. Caledonia ihre Entsprechung. Besonders in den Gegenden Saguenay, Charlevoix, Beauce u. Estrie wird noch immer die Gigue getanzt, also eine Kombination aus irischem Jig- u. englischem Clog-Tanz. Und die so genannte Turtulage oder der Reel à Bouche (siehe auch Mouth-Music) sind nichts anderes als die frankokanadische Entsprechung des irischen Liltens u. Diddelns. Viele traditionelle Musiker haben sowohl frankokanadische als auch irische Tunes in ihrem Repertoire, wie etwa der Melodeonspieler Keith Corrigan. Mit der Entwicklung einer weltoffenen Folk-Szene erlangte diese gegenseitige Beeinflussung schließlich eine weitere Dimension. Bedeutende traditionelle French-Canadian-Fiddler sind Thierry Robichaud, Don Messer, Graham Townsend. Der bekannteste ist aber Jean Carignan. Sein Interesse für Michael Colemans irisches Geigenspiel ließ ihn dessen lyrischen Swing imitieren u. verschaffte damit der gesamten frankokanadischen Geigenmusik ein neues Gepräge. Bedeutendste Geigerin der Folk-Revival-Generation sind Lisa Ornstein, ihrerseits Direktorin des Acadian Archives der University of Maine, Oliver Shroër u. Pierre Schryer. Die wichtigsten Revivalbands dieser Musik sind das Familienunternehmen Barachoís, Les Charbonniers de L’Enfer u. La Bottine Souriante, eine der besten Folkbands der Welt. Diese verband frankokanadische u. irische Musik mit einer heißen Salsa-Brass-Section. Die Geigenmusik Québecs wurde seit den 70er Jahren in Großbritannien u. Irland zunächst von neugierigen Individualisten rezipiert. In Schottland war das der Fiddler Aly Bain (Boys Of The Lough), in Irland gaben die Brüder Séamus & Manus McGuire mit Mandocellovirtuosen Garry Ó Bríain in der Formation Buttons & Bows allerhand Frankokanadisches zum Besten. Und das englische Fiddle/Akkordeinduo Chris Wood & Andy Cutting spielten zu Beginn der 90er Jahre fast ausschließlich Musik aus Québec. Die diversen ethnische Stile u. ihre modernen Weiterentwicklungen werden in Kanada durch unzählige Wettbewerbe u. eine besonders starke Medienpräsenz gefördert. Musiker aus Cape Breton u. Neufundland integrieren gerne Frankokanadisches in ihr Repertoire u. Musiker aus Québec ebenso gerne Schottisches u. Irisches. Ein kultureller Austausch, der schon ein Jahrhundert vor der zeitgeistigen Entwicklung des Folk u. Rhythm & Reel eingesetzt hat.
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