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    Sligo Stil  
  Regionen und regionale Stilarten  
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  Source: Crossroots, ISBN 3-935943-00-8 (Verlag C.Ludwig, 2002)  
    Author: Richard Schuberth  
 

Bestimmte historische Umstände, die technische Raffinesse einiger herausragender Musikerpersönlichkeiten u. nicht zuletzt der Siegeszug der amerikanischen Plattenindustrie ließen einen lokalen Geigenstil, den des nordwestirischen Countys Sligo, zum stilistischen Paradigma für die gesamte irische Instrumentalmusik werden, welches über Jahrzehnte hinweg andere lokale Stile verdrängte u. möglicherweise auch verschwinden ließ u. darüber hinaus die Dominanz von Reels u. Jigs gegenüber Hornpipes, Mazurkas, Clogs, Barn Dances u. anderen Tanzmelodieformen endgültig festschrieb. Das südliche County Sligo an der Nordwestküste Irlands war um die Jahrhundertwende ein Knotenpunkt verschiedenster Einflüsse: jener sehr swingende u. lebhafte Stil, wie man ihn auch von den Flötenspielern der benachbarten Countys Fermanagh, Leitrim u. Roscommon kennt, die lyrische Getragenheit des Galway-Stils, die heftigen rhythmischen Akzentuierungen des hochenergetischen schottisch beinflussten Donegal- u. Ulster-Stils, sowie ein großes Repertoire auch schottischen Reels u. Jigs formten das, was man heute den Sligo-Stil nennt: ein schneller, flüssiger u. stark ornamentierter Geigenstil, der jedoch nur die traditionelle Basis bereitete für zwei Musikerpersönlichkeiten, welche diesen erst zu einem allgemein gebräuchlichen Begriff werden ließen: Michael Coleman (1891-1945) u. James Morrison (1993-1945): Beide wuchsen sie in der Gegend von Killavil auf u. emigrierten in jungen Jahren nach New York, wo die blühende Infrastruktur der Dance Halls u. der Plattenindustrie, die sich auf die Vorlieben der diversen jungen ethnischen Communitys spezialisierte, auf sie wartete. Es waren dies zu Beginn der 20er Jahre noch kleine ethnische Labels wie Emerald, Celtic, Gaelic u. New Republic, ehe die großen Companys wie Columbia u. RCA Victor diese potenzielle Goldgrube für sich entdeckten. Erst die Depression mit ihren nachvollziehbaren Auswirkungen auf die Vergnügungssucht der Menschen oder aber der homogenisierende Siegeszug des Swing machten dieser Ära ein Ende. Bis dahin jedoch waren Coleman u. Morrison die Stars der irischen Community u. ihre Schellacks erreichten sowohl die Haushalte der alten irischen Heimat als auch die anderer stätdischer Zentren der irischen Diaspora. Coleman u. Morrison bekundeten eine technische Virtuosität u. ein Feeling für die innere Struktur der Tunes - vorzüglich Reels u. Jigs - , wie man es zuvor noch nicht gehört hatte. Der genuine Swing, melodische Ornamente u. rhythmische Akzente irischer traditioneller Tanztunes erlebten in ihren Händen ihre bislang höchste Vollendung. Beide emanzipierten ihre Musik von bloß funktionaler Tanzbegleitung zu virtuosen „Listening Tunes“, die freilich tanzbar blieben. Bei Plattenaufnahmen wurden ihnen jedoch oft unsensible Pianospieler zugeteilt, welche das ihre dazu taten, die Qualität der Darbietungen zu schmälern. Morrison ließ sich zuweilen auch von Swinggitarristen begleiten. Obgleich Morrison u. Coleman seine bekanntesten Vertreter waren, wurde der Sligo-Stil auch von einer Menge anderer talentierter Geiger repräsentiert u. weiterentwickelt. Das waren etwa Paddy Killoran (1904-1965) aus Ballymote, der 1922 nach New York emigrierte u. in den 30er Jahren im Pride of Erin Orchestra spielte (das auch Saxophone u. Klarinetten zu seinem Instrumentarium zählte) oder aber Hugh Gillespie (1906-1986)), der sich bevorzugt von Gitarre begleiten ließ, Packie Dolan, James ‘Lad’ O’Beirne, Louis Quinn, John McKenna, Tom Morrison, Larry Redican (1908-1975) aus Roscommon, der Fiddlekomponist Martin Wynne (1915-1998) u. viele andere. Die Tradition pflanzt sich fort zu New Yorker Geigern wie John Vesey, Paddy Reynolds u. dessen langjährigen Partner Andy McGann, der wahrscheinlich letzte lebende Schüler Colemans u. einer der besten irischen Traditional-Fiddler der Welt. Dieser spielte in den 70er Jahren eine Platte ein, auf der ihn Paul Brady an der Gitarre begleitete. Auch in London wurden die stilistischen Besonderheiten der Musik Sligos durch Fiddler Michael Gorman (1895-1969) oder den Flötenspieler Roger Sherlock würdig vertreten. Mairtín Byrnes aus Galway reizte die lyrischen Momente des swingenden Sligo-Stils aus u. beeinflusste damit nachhaltig Revival-Geiger wie Kevin Burke, Liz Carroll u. Martin Hayes.