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    Biniou & Veuze  
  Artikel zu Instrument  
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  Source: Crossroots, ISBN 3-935943-00-8 (Verlag C.Ludwig, 2002)  
    Author: Richard Schuberth  
 

Wegen seines besonders hohen Klanges hat der traditionelle bretonische Dudelsack Biniou im Folk-Revival nur selten Eingang in den Gruppensound neueren Zuschnitts gefunden, dennoch ist er ein unverzichtbarer Bestandteil der musikalischen Tradition der Bretagne. Die Stimmung der Binoiu koz (bret: alter Dudelsack) bzw. Binou bihan (kleiner Dudelsack) liegt zirka eine Oktav über dem der schottischen Highland Pipes. Eine Bordunpfeife und eine Melodiepfeife mit sieben Löchern besitzt er, zehn Noten lassen sich auf ihm spielen. Seine Stimmung variiert nach Region (#G, A, B oder C). Am häufigsten fand die Biniou sich stets im Duett mit der Bombarde, der traditionellen Schalmei der Bretagne. Solch ein Duo nennt sich auf Bretonisch Sonerion, auf Französisch Sonneurs de Couple. Im Südwesten der Bretagne erhielt sich diese Tradition am stärksten, welche besonders das melodische Frage-Antwort-Spiel des sogenannten Kan-ha-diskan pflegt - abwechselnde Melodiepassagen mit gemeinsam gespielten Refrains - , eine Stilform, die mit dem gleichnamigen Gesang korrespondiert. Seit den 30er Jahren hat der schottische Dudelsack (Binioù bras) die Binioù koz stark in die Defensive gedrängt und dominiert im Zusammenklang mit der Bombarde den Sound der bretonischen Blasmusikkapellen Bagadoù (Singular: Bagad). Im Folk-Revival hielt vor allem die Band Gwerz dem traditionellen Dudelsack die Treue, wo dieser in den Händen von Jacky Molard - ansonsten ein auch virtuoser Interpret auf Highland Pipes und Uilleann Pipes - ihren Meister findet. Doch auch eine weitere unseren Ohren vielleicht angenehmer klingende Dudelsackform findet sich traditionellerweise im Südosten der Bretagne: die Veuze. Auch in der nördlichen Vendee war dieses altertümliche Instrument zuhause, ehe es zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausstarb und erst in den 70er Jahren rekonstruiert und repopularisiert wurde, wofür sich vor allem die Organisation Sonneurs de Veuze hervortat. Die Veuze klingt nicht unähnlich den Dudelsäcken benachbarter Regionen wie der galicischen Gaita oder der Cambrette aus Limousin und Auvergne.