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„Ireland’s contribution to the world of percussion. A large, single-handed drum that no one wants to hear but everyone wants to play.“
Barry Foy
Die irische Bodhrán ist eine mit Leder bespannte Rahmentrommel, welche mit einem an beiden Enden verdickten Holzklöppel (Stick) oder einfach mit der Hand geschlagen wird und entspricht dem Typus vieler orientalischer und mediterraner Rahmentrommeln. Der Klöppel wird zumeist wie eine Füllfeder gehalten und zumeist mit dem unteren Ende in Auf- und Abwärtsbewegung gegen die Lederbespannung geschlagen (one-sided stick style). Die Dynamik der galoppierenden Rhythmen traditioneller Tanzmetren lässt auch das obere Stickende unwillkürlich mitschlagen, ein Effekt, den viele Bodhranisten besonders exzessiv nützen (two-sided stick-style). Durch Abdämpfen der gespannten Lederhaut mit der linken Hand kann eine erstaunliche tonale Varianz erzielt werden. Die ursprünglichste Art, auf der Bodhran zu spielen, bestand gleich der orientalischen Def im Schlagen mit Handballen, Handrücken und Fingerspitzen. Ihre ursprünglichste Verwendung jedoch fand die Bodhrán zunächst als landwirtschaftliches Nutzgerät. Vor allem die Assoziation mit euroasiatischen Schamanentrommeln, die rund um den nördlichen Polarkreis zur rituellen Erlangung von Trance- und Ekstasezuständen in Verwendung waren, erwecken nicht nur den Anschein archaischen Alters, sondern bei vielen Keltenfreaks auch den der Kontinuität einer ekstatischen und geheimnisvollen Kultur, quasi als atlantischer Ausläufer einer zirkumpolaren Spiritualität. Diese Mutmaßungen müssen allesamt ins Reich der Phantasie abgetan werden, denn die Bodhrán als fixer Bestandteil irischer Musik ist fast so modern wie die E-Gitarre. Es war des Komponisten Sean O’Ríadas (1931-1971) Verdienst, sie in den Gruppensound moderner traditioneller Musik integriert zu haben. Zuvor dürfte sie vereinzelt als Begleitinstrument in Verwendung gewesen sein und von einem landwirtschaftlichen Nutzinstrument, der Worfel, mit der man Weizen vom Spreu trennte, abstammen (die Doppelfunktion von Worfel und Trommel ist ethnomusikologisch häufig belegt). In England, Irland und in den schottischen Lowlands hieß diese Worfel Wecht oder Wicht, in den gälischsprachigen Highlands Dallach. Der berühmte Flötist aus Sligo, Seamus Tansey, erinnert sich, dass die Wecht nach getaner Arbeit abends zur Céilímitgenommen und dort mit der Hand als Rhythmusinstrument geschlagen wurde. Im Laufe der allgemeinen Mechanisierung der Landwirtschaft in den 30er Jahren verschwand die Wecht/Bodhrán allmählich, erhielt sich jedoch insbesondere in den Countys Kerry und Clare als Bestandteil lokalen Brauchtums: Halloween oder St.Stephen’s Day, wenn die `Wren Boys´, mit Flöten und Bodhráns bewaffnet ausziehen, um für den Pfarrer Geld zu schnorren. Mehr wissen wir über die Ursprünge dieses Instrumentes nicht. Es mag vor tausend Jahren oder auch erst seit hundert Jahren auf ihm musiziert worden sein; es fehlen die Zeugnisse. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich irische Bauern bei der musikalischen Zweckentfremdung ihrer Worfeln von Tamburinspielern inspirieren ließen, die im Rahmen von Schauspieltruppen, Minstrel-Shows oder militärischen Rekrutierkommandos durchs Land zogen. Von den ersten Ensembles, die dieses Instrument benutzten (wie etwa die Coleman County Traditional Society) wurden auch die einzig belegten Stick-Techniken aus den Countys Kerryund Limerick übernommen. Die Bodhrán wird bei diesen Aufnahmen noch ungedämpft, also in voller Lautstärke geschlagen und als Tambourin bezeichnet. Tatsächlich waren schon zuvor primitive Konstruktionen mit in den Rahmen eingefügten Geldstücken bzw. Flaschenstöpseln oder richtige Tamburine verwendet worden, die man aber mit dem Stickspielte. Auf Betreiben Seán O’Ríadas gelangte die Bodhrán ins Inventar irischer Nationalkultur. Die erste Phase des Bodhránspielens (ca.1950-ca.1970) beschränkt sich auf einen nicht ganz korrekt als traditionelle Technik bezeichneten wilden und rhythmisch monotonen Steady Beat, repräsentiert etwa durch Gentleman-Bodhránisten Peadar Mercier (Ceoltóirí Cualann, Chieftains), Robin Morton (Boys Of The Lough) oder Roy Williamson vom schottischen Folkduo The Corries (als exzentrischer Instrumentenbauer verwendete er riesige Bassbodhráns). Doch die Experimentierfreude vieler junger Musiker des Celtic Folk-Revivals, die mit Perkussionstechniken aus Jazz und Rock vertraut waren, sollte eine erstaunliche Bandbreite an Tonmodulation, Synkopierung und rhythmischer Variabilität zu Tage fördern. Allen voran Johnny Ringo McDonagh (Dé Dannan, Arcady), der mit dem Anschlagen des Holzrahmens (rim shots) eine sehr effektreichen kombinierten Spielstil entwickelte, aber auch Tommy Hayes (Stockton’s Wing), Donal Lunny (Planxty, Bothy Band, Moving Hearts und a.), Kevin Conneff (Chieftains), Colm Murphy (Dé Dannanund andere), in jüngerer Zeit Mel Mercier, Damien Quinn (Cían) undJim Sutherland (Easy Club und a.), und in noch jüngerer Zeit Gino Lupari (4 Men & A Dog), Frank Torpey (Nomos), Donnchadha Gough (Danú) undJohn Joe Kelly (Flook) haben die Möglichkeitem dieses Instrumentes immens erweitert. Die Bodhrán erfreut sich großer Beliebtheit, viel zu großer vielleicht. Leute, die in ihren Hörgewohnheiten von der Popmusik herkommen, also eher einen „perkussiven“Zugang zu irischer (und verwandter) Musik aufweisen, unterschätzen oft deren melodiöse Qualitäten. Nur ein wirklich geübter und mit allen Wassern gewaschener Bodhránspieler vermag es, den Ornamentierungen, Beschleunigungen und Verzögerungen eines guten Instrumentalisten gerecht zu werden. Viele potenziell gute Sessions litten schon darunter, dass hervorragende Musiker von zahlenmäßig überrepräsentierten Bodhránschlägern umzingelt wurden, die eigentlich nichts Böses im Sinn führten, bloß mitmachen wollten, und die Session nicht nur zu dominieren begannen, sondern in ein Selbsterfahrungstrommelseminar transformierten. So ist es nicht verwunderlich, dass dieses Instrument nicht nur Freunde besitzt, wofür es freilich nichts kann. Seamus Ennis (1919-1981) hat einmal gemeint, die beste Art, Bodhrán zu spielen, wäre mit dem Taschenmesser. Er sagte dies allerdings zu einer Zeit, als Bodhránstile noch nicht besonders entwickelt waren. Virtuosen wie Tommy Hayes und Mel Mercier rezipieren afrikanische, lateinamerikanische, südosteuropäische und polyrhythmische orientalische Perkussionsstile für die Bodhrán. Diese bietet schon allein wegen der Double-stick-Technik und der händischen Tonmodulation an der Trommelinnenseite erstaunliche Möglichkeiten dynamischen und synkopischen Begleitens. Die bis jetzt erreichten technischen Standards, höre man sich am besten auf Declan Foleys und Junior Daleys exzellentem Album Skin And Bow an. Es ist anzunehmen, dass dieses Instrument bald auch außerhalb des Celtic Folk-Revivals entdeckt wird. Bodhráns werden auch außerhalb Irlands produziert. So ist z. B. unter irischen Musikern der in Österreich ansässige Norbert Eckermann einer der geschätztesten Bauer und Lieferanten von Bodhráns. |
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