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„It’s such an exciting instrument to play, it is so versatile. It has this rhythmic energy, the staccato bounce you can give a tune, or use a legato style; you can use chords, work all these elements in or just select a few at a time. Once you have mastered the instrument’s potential you can really use it to get the best out of the tunes.“
Niall Vallely
Die Concertina entwickelte sich schon wegen ihrer leichten Transportierbarkeit zu einer der beliebtesten Instrumente der letzten beiden Jahrhunderte und fand ihre Verwendung hauptsächlich bei den arbeitenden Klassen, - ein Grund, warum ihr Renommee nie besonders hoch war, und das, obwohl sehr anspruchsvolle Techniken auf ihr entwickelt wurden. Sie avancierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum beliebten Instrument der Music Halls, Minstrel Shows und Arbeiterorchester. Die Concertina besteht aus einem Balg, der zwischen zwei acht- bzw. sechseckige Rahmen montiert ist. Bei der Concertina (alias Konzertina) ist die Knopfleiste auf beide Rahmen verteilt, sodass beide Hände mit dem Spiel beschäftigt sind. Zwei Typen lassen sich unterscheiden: Die chromatische English Concertina, die am 19. Juni 1829 vom englischen Physiker Sir Charles Wheatstone patentiert wurde und sowohl beim Ziehen als auch beim Drücken denselben Ton erzeugt und die diatonische Anglo-Concertina (bzw. Anglo-German Concertina), die auf der etwa zeitgleichen Erfindung des deutschen Instrumentenbauers Carl Friedrich Uhlig basiert und welcher beim Ziehen und Drücken jeweils unterschiedliche Töne zu entlocken sind. Beide Typen sind in verschiedenen Tonarten verfügbar und haben sich über die gesamten Britischen Inseln ausgebreitet. In England und Schottland dominiert die English Concertina. Ihre 48 bzw. 56 Knöpfe sind auf beide Seiten verteilt. Ihr flüssiges Spiel eignet sich besonders gut für die Liedbegleitung, den melodiös verspielten und zuweilen wilden irischen Tanzmelodien kommt jedoch die Anglo-Concertina mehr entgegen. Deshalb stieß dieser Typus in Irland auch auf fruchtbareren Boden. Er tauchte dort etwa um 1880 auf. Verbreitet wurde er vor allem durch Seeleute. Die Konkurrenz des bombastischeren Akkordeons hat die Concertina in den Hintergrund treten lassen, sodass sich bloß noch im irischen County Clare (und benachbarten Regionen) eine ungebrochene, starke Concertina-Tradition erhielt. Dort wurde das Instrument hauptsächlich von Frauen gespielt, sodass ihm bald die Bezeichnung Female Accordion (Bean Chairdín) eignete. Eine der bekanntesten Clare-Concertinistinnen war Mrs. Josephine Crotty. Im County Clare identifizierten Musikethnologen vier distinkte Stile und Techniken mit sehr unterschiedlichem spielerischen Niveaund Der komplexeste durfte der Stil des mittleren Westens sein (Mid-West-Clare). Auch die englische Tanzmusik kann auf eine fruchtbare Concertina-Tradition zurückblicken. Bedeutendster „historischer“ Interpret auf der Anglo-Concertina war zweifellos William Kimber, dessen Aufnahmen kürzlich als CD neu aufgelegt wurden (Absolutely Classic). Im englischen Folk-Revival wurde die Concertina vorerst zur Liedbegleitung gebraucht - wichtigste Interpreten: Alf Edwards und Louis Killen. Die Organisation Free Reed machte sich mit einem eigenen Label besonders um die Revitalisierung von Akkordeons, Concertinas und Melodeons stark. In ihrem Museum befinden sich über 800 verschiedene Concertina-Modelle. Musiker wie Alistair Anderson, Tony Hall und John Kirkpatrick und neuerdings Chris Sherburn und Damien Barber setzten dieses Instrument auch für Instrumentals wieder in seine Ehren. In Wales kümmert sich John Morgan um die Adaption walisischer Tunes für dieses Instrument. Bedeutende Concertinisten des Folk-Revivals in Schottland sind Iain MacKintosh, Stuart Eydmann (The Whistlebinkies), Norman Chalmers (Jock Tamson’s Bairns) und Brian MacNeill (Battlefield Band), in Irland Charles O’Connor (Horslips), Robin Morton (Boys of the Lough), vor allem Jackie Daly (Dé Dannan und andere). Die ersten Aufnahmen von irischer Concertinamusik stammen aus den 20er Jahren von William Mullaly. Dessen Schüler Paddy Murphy aus Bealcragga, Co. Clare, entwickelte ein kompliziertes „cross row fingering“-System, das das Spiel von auf der Concertina bislang unüblichen Tonarten ermöglichte. Dessen Experimente weiterführend erreichte Noel Hill (ebenfalls aus Clare) besonders hohe technische Standards. Nicht zuletzt dank ihm ist die Concertina heute in Irland populärer als je zuvor. Unzählige Musiker - wie Gearoid Ó hAllmhurain, Josephine Marsh, Mary MacNamara, Terry Bingham, John Williams (Solás), Padraig Rynne (Cían) und Shane Bracken (Lia Luachra) - setzten dessen Standarts unter teilweiser Verwendung jazziger Passagen fort, eine Entwicklung, die ihren kühnsten irischen Meister in Niall Vallely von der Gruppe Nomos aus Cork findet. Vallelys unvorstellbar virtuoses und innovatives Spiel swingt besonders und bewegt sich bewusst an der Grenze zum Jazz. Wer jedoch rein traditionelle Concertina-Musik in höchster Vollendung hören will, dem seien die Aufnahmen von Chris Droney aus Nord-Clare empfohlen.
Einen riesigen Perfektions- und Innovationsschub erfuhr die English Concertina in den Händen des schottischen Wunderkindes Simon Thoumire, der sie für den Modern Jazz tauglich machte und bei seiner schottischen Instrumentalfusion die Concertina stilistisch wie technisch auf ein ähnliches Niveau hob, wie es etwa Astor Piazzolla mit dem Bandoneon getan hatte.
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