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    Féile Belfast - Und was macht Gaeltacht Irland Reisen eigentlich so?  
  Genres und Sonderinformationen  
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Eine Standardantwort seit 26 Jahren: alles. Und meist habe ich als Beispiel hinzugefügt: Wir verkaufen sogar Sachen, die es gar nicht gibt. Gemeint war dann immer das legendäre Ballyshannon Folk Festival - wir bezeichneten uns gerne als die 'einzige Vorverkaufsstelle der Welt'. Warum? Weil es nie einen gezählten Vorverkauf gab - wir hatten meist 'nur' den Gutschein dafür vermittelt. Deutsche möchten gerne Sicherheit. Nach und nach lernten wir die Vielfalt anderer Festivals kennen und schätzen. Und glaubten, bis vor wenigen Monaten, diese doch alle richtig einschätzen zu können. West Belfast Festival - klar doch. Vielfältiges Programm - in dem einen Teil der Stadt. Der ein oder andere entfernte Zeitgenosse muß mal dies oder das gesagt haben - zu einem wirklichen Bild aber hatte sich das nicht zusammengefügt. Erst das erstmalige gründliche Seite-für-Seite-Umblättern im diesjährigen Programmheft (2009) zeigte mir, wie gründlich ich mich in meiner eher beliebigen Einschätzung vertan hatte: es ist ein einzigartiges Community Festival - eines der größten in Europa.

(Das Programmheft kann sich anschauen oder downloaden: www.irland-journal.de/links)

 

Féile Belfast. Das Festival versteht sich vor allem politisch. Nicht nur in seiner ganzen Bandbreite des Kulturprogramms, sondern auch in der Vielfalt der angebotenen gesellschaftspolitischen Themen, Seminare und anderen Veranstaltungen. Der Vortrag der irischen Staatspräsidentin Mary McAleese steht neben der Veranstaltung der kleinen Communist Party. Wegen seiner einzigartigen (politischen) Vielfalt präsentieren wir hier dieses Festival.

Weil wir Euch und Ihnen allen ans Herz legen möchten, Féile Belfast zu besuchen, wenn es

 

Euch im nächsten Jahr nach Irland zieht. Baut es in Euren Urlaub ein - und wenn Ihr den nicht in den ersten 10 Augusttagen nehmen könnt: Belfast ist eine wunderbare, architektonisch wie kulturhistorisch interessante, weniger laute, saubere wie sichere Stadt und hat mehr zu bieten als nur dieses eine Festival. Belfast wurde vom Keltischen Tiger-Wirtschaftsboom weitgehend verschont und ist, wie viele sagen, in Teilen authentisch-irischer als Dublin. Fahrt hin, solange dies noch so der Fall ist. Es kann und muß ja nicht immer Festival-Zeit sein!

 

Christian Ludwig

 

 

Belfast – Féile an Phobail

Kultur für die Zukunft

 

Mitten auf der Falls Road im katholischen Teil Belfasts sitzt hinter vergitterten Fenstern die Organisation Féile an Phobail. Sieben junge Leute arbeiten in den eher spartanisch eingerichteten Büros. Aber hier geht es nicht um schöne Büroeinrichtung, sondern um die Zukunft des von vielen Konflikten über die Jahre ganz schön gebeutelten Belfasts. Eine positive Zukunft ist den Mitarbeitern sehr wichtig und so wird unter der Führung des sympathischen Sean Paul O’Hare hart an einem guten Bild der Stadt, ihrer Bewohner und der Kultur gearbeitet.

Die Darstellungen der grauen Straßen mit ihren zerschossenen Häusern und verfeindeten Bewohnern sollen verschwinden. Die fröhliche, farbenfrohe Website von Féile an Phobail macht hingegen Lust auf die vielen Veranstaltungen, die das Team organisiert. Bei denen geht es aber nicht allein um den Spaß. Kommunikation zwischen den so tief verfeindeten Bevölkerungsgruppen soll geschaffen werden und dazu gibt es neben Diskussionsrunden zu politischen Themen beispielsweise auch Filmaufführungen in einem Autokino, wo die Menschen sich in ihren Autos sicher vor der Gewalt der jeweils anderen Gruppierung fühlen können. Die Zeit der Straßenschlachten von Katholiken und Protestanten mit der britischen Polizei muss definitiv noch verarbeitet werden, denn die Gräben zwischen den Beteiligten sind immer noch tief und Vermischungen finden so gut wie nicht statt. Umso wichtiger ist die Arbeit von Organisationen wie Féile an Phobail. Deren Arbeit wird von der katholischen Gemeinschaft unterstützt und in dieser Zusammenarbeit hat sich um die Falls Road ein buntes Kulturleben entwickelt. Im Community Center gibt es neben einem lebhaften Café (das Essen dort ist übrigens sehr empfehlenswert!) einen gut sortierten Buchladen, Angebote für Musik- und Sprachkurse, eine Radiostation und eine Tourismusinformation, an der sich Interessierte nicht nur über das Viertel, sondern über ganz Belfast und die Umgebung informieren können. Dass die Gemeinschaft im Umfeld der Falls Road einen hohen Stellenwert hat, merkt man dort sofort, denn jeder scheint jeden zu kennen und alles ist zudem sehr familienfreundlich. Die merkwürdige Atmosphäre, die das schräg gegenüberliegende Sinn Féin Hauptquartier umgibt, kann man im Community Center sofort vergessen, ebenso die riesigen Peace-Lines mit ihren Wellblechwänden. Es ist wirklich ein Ort der Wärme. Abends trifft man sich dann im Pub, wo auch öfter mal Größen der Trad-Musik-Szene zur Session erscheinen. Und derer gibt es in Belfast einige: Die Schwester von Féile an Phobal Direktor Sean Paul O’Hare, Meabh, ist beispielsweise eine bekannte Fiddlerin und arbeitet außerdem beim irischsprachigen Fernsehsender TG4. Ebenfalls aus der Gegend kommt der Piper John McSherry, der als einer der besten Piper weltweit gilt. Es ist also was los im ehemals eher von Schießereien geprägten Viertel.

Bei den regelmäßig stattfindenden Festivals kommt das kulturelle Leben dann noch mehr als sonst in Schwung. Im April gibt es ein Comedy-Festival und im August findet das große Féile Belfast Festival mit Veranstaltungen aller Art statt. Von Folk- und Trad-Konzerten über Rock- und Popmusik, Theatervorstellungen und Straßenperformances, einer Parade, die ca. 50.000 Menschen anzieht, bis hin zu Arbeit mit Kindern reicht in der Festivalzeit das Programm.

Jeden Frühling findet außerdem das Féile an Earraigh statt, das für Freunde der modernen traditionellen Musik wirklich empfehlenswert ist (eine Woche nach dem Temple BarTrad-Fest in Dublin). In enger Kollaboration mit dem Luftlinie gar nicht so weit weg stattfindenden Celtic Connections Festival in Glasgow (Schottland) wird das Programm gestaltet und die Organisatoren sind wirklich glücklich, für das Festival 2010 ein tolles Lineup präsentieren zu können. Den Auftakt des Festivals bestreitet am 4.Februar das Penguin Café Orchestra, das vor allem durch seinen Superhit „Music for a found Harmonium“ bekannt geworden ist. Mit dabei ist aber zum Beispiel auch die David Munnelly Band, die sich in Deutschland bei der Irish Folk Festival Tour 2009 einem größeren Publikum vorstellen konnte. Am gleichen Abend auf der Bühne ist JonJo Kelly mit einigen Freunden. Tags drauf gibt es ein Konzert der schottischen Trad-Party-Band The Peatbog Fairies. Den Abschluss des Festivals wird am 7.Februar eine Band-Kombination der Extraklasse markieren: Beoga und LAU. Sind Beoga in Deutschland schon hinreichend bekannt, ist das schottische Trio LAU noch ein Geheimtipp. Es gibt also noch etwas zu entdecken. Und bei Ticketpreisen von 10 GBP macht das gerade bei dem aktuellen Pfund-Kurs richtig Spaß.

Fazit: ab nach Belfast!

 

Sabrina Palm

 

 

Féile belfast (irisch: Festival Belfast) findet das ganze Jahr über statt:

Féile an Earraigh (Traditional Spring Festival: Donnerstag, 04.02. bis Sonntag, 07.02.2010)

Laugh at the Bank (Weekend Comedy Festival) August Féile (10 day Flagship Festival: Freitag; 30.07. bis Sonntag, 08.08.2010)

Draíocht (Halloween Children’s Festival)

Oscailt (Year round disability programme)

Youth Arts Development (Year round)

Féile FM (Full time community radio station)

 

„Wer an Belfast denkt, denkt meist noch immer an Straßensperren, Bomben und Randale. Doch das ist vorbei. Seit 1998 herrscht Waffenstandstillstand in Nordirland, und das schöne viktorianische Belfast am Lagan Fluß mit seinen imperialen Palästen der Banken, Bildungsstätten und Kaufhäuser ist zu neuem Leben erwacht. Die Häufung von Baustellen belegt die Wende auf materielle Weise, das Lachen in den Gesichtern der Belfaster bringt die Euphorie und Aufbruchsstimmung noch überzeugender zum Ausdruck...“

Unter dem Titel „Impressionen aus Belfast - Das Erbe des Empire hält die Stadt doppelt in Atem“ beginnt so einer der besten Insiderstories über das neue Belfast, abgedruckt im irland journal 4.06. Von Regine Reinhard und auf 9 Seiten. Wir haben ihn für Euch ins Internet gestellt: www.irlandjournal.de (Leseproben).

 

Und noch etwas haben wir für Féile-Interessierte getan: Nicht nur das 100seitige Programmheft des Hauptfestivals 2009 (August) haben wir auf unsere Webseite gestellt, sondern auch eine ca. 20 Dias umfassende Präsentation (in Powerpoint). Das Beste soll erst noch kommen: Die BBC hat eine vierteilige Dokumentation über Féile Belfast gedreht. Wir haben derzeit (aufgrund eines technischen Versehens) nur die ersten 29 Minuten des ersten Teils (jeder Teil ist 30 Minuten lang). Was daran so gut ist: neue Bilder, Meinungen und Kommentare werden alten Aufnahmen und Aussagen gegenübergestellt. BBC Qualität eben. Wenn die Filme fürs Internet zu lange sind, dürfen wir sie in Einzelfällen – für den Privatgebrauch - auf DVD brennen.

Sage uns doch ein jeder Interessent formlos Bescheid, wenn ihn das interessiert…